„Starke Ver­grösse­rung eines Küchen­möbels“

Man kann die Story von eggersmann auch ganz anders erzählen: in Form von Architektur. Fünf Fragen an Dirk Stanczus, der den neuen Firmensitz in Hiddenhausen entworfen hat.

Interview: Oliver Geyer

Wie geht man als Architekt an ein Projekt für einen Kunden und eine Marke heran, die selbst einen hohen Design-Anspruch haben?
Wir stellen uns grundsätzlich immer ganz auf den Bauherren ein und entwickeln sozusagen einen Maßanzug für ihn. Wenn der Kunde dann selbst viel Wert auf Ästhetik legt, dann sind wir glücklich. Bei eggersmann gab es außerdem schöne Möglichkeiten, das Produkt selbst zu thematisieren. Allerdings erforderte das auch eine intensive Auseinandersetzung mit den Küchenexperten, die ein bisschen anders gepolt sind als wir. Die denken in Farbnuancen, mit denen wir als Architekten normalerweise so nicht umgehen. Das war eine echt bereichernde Erfahrung.

Wie ging diese intensive Auseinandersetzung vonstatten?
Wir haben viel diskutiert, haben Entwürfe immer wieder auch verworfen. Bis wir dann gemeinsam zu der endgültigen Lösung kamen, die unter der großen Überschrift „Fuge und Fläche“ stand. Das wurde dann zum Leitprinzip.

„Das ist eine sehr zeichenhafte Architektur“

Worin zeigt sich dieses Leitprinzip?
Sie sehen da große Fassadentafeln, die über Fugen aneinandergereiht sind. Das ist im Grunde die starke Vergrößerung eines Küchenmöbels. Auch bei eggersmann setzt man Fugen ja ganz bewusst aber auch sehr reduziert ein: Die Küchen haben nie Griffe, sondern bestehen eigentlich immer nur aus verschiedensten Materialien. Die wiederum sind besonders wichtig. eggersmann war einer der Vorreiter, auch küchenfremde Materialien wie Naturstein oder Stahl zu verwenden und sie über Fugen aneinanderzufügen. Und das haben wir auch zum Prinzip dieser Architektur gemacht: Wir haben große Flächen, die aneinandergereiht sind und in denen wir mit Beton und Holz Akzente gesetzt haben. So gesehen ist das eine sehr zeichenhafte Architektur geworden.

Auf den ersten Blick scheint es so, als hätten Sie ganz auf Modernität gesetzt. Reflektiert diese Architektur auch die Tradition des Unternehmens?
Erstmal ging es uns darum, den Ort neu zu ordnen. Das war ein Flickenteppich von Anbauten, die über die Jahrzehnte entstanden waren. Jetzt gibt es einen klaren Kontrast zur alten Eggersmann-Villa nebenan – und damit auch einen Dialog zwischen alt und neu. Aber auch die Firmengeschichte und was dahintersteht, findet sich in architektonischen Details wieder. Weil eggersmann bis heute eine Manufaktur und ein gewachsener Handwerksbetrieb ist, der immer noch auf individuelle Fertigung setzt, haben wir das Schwarz der Fassade und den Beton durch Holz ergänzt. Das bringt Wärme hinein.

In der Individualität dieser Küchen drückt sich die Persönlichkeit ihrer Besitzer aus, manchmal auch ihre Ecken und Kanten. Findet sich das auch in dem Gebäude wieder?
So eine Komposition, wie sie da steht, ist schon sehr individuell. Und eine Besonderheit sind diese wie Intarsien eingearbeiteten Elemente, also zum Beispiel die in die schwarze Fassade integrierte Beton-Ecke mit Fenster. Das sind so kleine Besonderheiten, die sicherlich auch etwas Mut erfordert haben.

 

Dirk Stanczus ist einer der Geschäftsführer des Büros bks Architekten mit Niederlassungen in Lübbeke, Hamburg und Bielefeld. Weit jenseits von Standardlösungen realisiert bks Firmengebäude mit individuell designter Architektur, die wie ein Maßanzug auf den Kunden zugeschnitten ist. Das passte perfekt zu eggersmann.

Die andere Dimension von Küche

Wir sind bereit, für die individuellen Wünsche unserer Kunden immer neue Wege zu gehen. Deshalb gibt es da einiges zu zeigen und erzählen.